Kurzgeschichte
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Von der Hoffnung, wo nichts zu hoffen ist
Einmal kamen drei Schüler zu ihrem
Meister und fragten: "Wenn alles hoffnungslos ist, wie kann man dann noch
hoffen?" Der Meister antwortete: "Immer gilt: Haltet der Einsamkeit stand
und wartet, denn alle Hoffnungslosigkeit kommt aus der Angst vor der
Einsamkeit und aus der Ungeduld." Die Schüler aber gaben sich nicht
zufrieden und erzählten von den Schicksalen anderer Menschen.
Der erste: „Wenn ein Kind, das
Licht seiner Eltern, unheilbar auf den Tod liegt - wo ist da Hoffnung?"
Der zweite: "Wenn einen die Geliebte
verlassen hat, und war sie doch das Leben - wie töricht ist da Hoffnung!"
Der dritte: "Wenn einer fortgeführt
wird in die Fremde und keine Brücke führt zurück - worauf da noch hoffen?"
Und wieder antwortete der Meister:
"Der Einsamkeit standhalten und warten!" Und weil sie ihn um ein Zeichen
nach diesen dunklen Worten baten, gab er ihnen ein Samenkorn. "Wenn das Neue
kommen soll, muss Altes sterben", sagte er und entließ sie.
Die Gegend aber war unwegsam und
die Nacht dunkel. Weitab von des Meisters Haus kamen die drei vom Weg ab,
irrten umher und fielen in eine Höhle; die war sehr tief, doch sie blieben
unverletzt. Wie sie dort auf dem weichen Moose lagen und sich ihrer Lage
bewusst wurden, fiel ihr Blick nach oben, und sie sahen den Mond; der
beschien ihr Elend. "Es ist hoffnungslos", begann der eine, "wir kommen aus
eigener Kraft nicht heraus, man wird uns nicht finden, und unsere Schreie
werden in der Einsamkeit verhallen. Wenn ihr hier vor mir sterben solltet,
bleibe ich allein und einsam. Soll ich darauf warten? Und soll ich ein
Samenkorn pflanzen, dessen Früchte ich nicht mehr ernten kann - welchen Sinn
macht das?" Dann beugte er sich nieder, weinte, wurde still und tat seinen
letzten Atemzug.
Sprach da der zweite Schüler: "So
geht es mir auch, doch untätig auf den Tod warten will ich nicht." Darauf
begann er; an den steilen Wänden der Höhle hinaufzuklettern, erreichte wohl
die halbe Höhe, rutschte dann aber ab. Im Fallen schlug er gegen die Wand
und blieb tot unten liegen.
Der dritte Schüler blickte auf
seine beiden Gefährten und dachte bei sich: "Angst, einmal allein zu
bleiben, muss ich nun nicht mehr haben, denn ich bin allein. Schwach, wie
ich bin, kann das Warten mich nur stärken." Dann blickte er um sich, sah
Pflanzen und Sträucher auf dem Grund der Höhle und hörte hinter sich eine
Quelle. Da fuhr er mit der Hand durch das Wasser; streichelte den Boden, der
ihm Nahrung geben konnte. Wie er dies tat, fiel sein Blick auf das
Samenkorn, das ihm beim Sturz in die Höhle aus der Tasche gefallen war. Er
nahm es und setzte es in die Erde.
Am nächsten Morgen fielen
Sonnenstrahlen in die Höhle; die wärmten ihn. Kräuter; Beeren und Wasser
waren seine Nahrung Tag für Tag.
Das Samenkorn aber keimte, und über
die Tage, die Wochen und die Jahre wuchs der Keimling zu einem Trieb und der
Trieb zu einem Baum, und seine Krone strebte der Höhlenöffnung entgegen. Da
dankte der Schüler Gott, kletterte den Stamm empor, verließ die Höhle und
rannte zum Haus des Meisters.
"Es gibt Hoffnung, auch wenn keine
Hoffnung mehr ist", rief er. "Du hast es gewusst, ich danke dir." Da
lächelte der Meister still und sprach: "Wohl habe ich es gesagt, aber ich
wusste es nicht, denn ich war noch nie ganz ohne Hoffnung